Waldameisen im Garten – was tun wenn sie sich ansiedeln?

Wer einen Garten am Waldrand hat oder in einer Gegend lebt, wo Wälder in der Nähe sind, kennt den Moment: Irgendwo in einer Gartenecke, oft unter einem alten Baumstumpf oder an einer moosigen Böschung, entsteht über Monate oder Jahre hinweg ein beeindruckend großes Nest aus Nadeln, Zweigen und Erde. Waldameisen haben sich angesiedelt.

Das ist botanisch gesehen ein Zeichen für ein gesundes Umfeld. Für den Gärtner kann es trotzdem eine Frage aufwerfen: Was jetzt?

Was Waldameisen sind – und was sie unterscheidet

Wenn von Waldameisen gesprochen wird, ist in Mitteleuropa meistens eine der Arten der Roten Waldameise gemeint – also Formica rufa oder verwandte Arten wie Formica polyctena. Diese Tiere sind deutlich größer als die im Garten häufige Schwarze Wegameise und bauen charakteristische, über den Boden aufgewölbte Hügelnester, die aus Pflanzenmaterial bestehen und über Jahrzehnte wachsen können.

Was die meisten nicht wissen: Rote Waldameisen stehen in Deutschland unter Naturschutz. Sie dürfen weder absichtlich gestört, noch umgesiedelt, noch bekämpft werden – ohne behördliche Genehmigung. Wer ein solches Nest in seinem Garten entdeckt und einfach beginnt, es abzutragen oder mit Insektiziden zu behandeln, macht sich strafbar.

Das ist keine abstrakte Theorie – es gibt entsprechende Bußgeldvorschriften im Bundesnaturschutzgesetz. Die Regelung betrifft ausdrücklich auch Privatgrundstücke.

Was man wirklich tun kann

Zunächst: Beobachten und einschätzen. Ein Waldameisennest in einer ruhigen Gartenecke, fernab von Terrasse, Gemüsebeet oder Hausmauer, ist in den meisten Fällen kein Problem. Die Tiere halten sich in ihrem Bereich auf, sind nicht aggressiv gegenüber Menschen – außer wenn das Nest direkt gestört wird – und leisten im Garten und dem angrenzenden Ökosystem erhebliche Dienste. Waldameisen sind effiziente Räuber von Schädlingsinsekten und gehören zu den wichtigsten Regulatoren in Waldrandgebieten.

Wenn das Nest dagegen an einem Ort liegt, der wirklich problematisch ist – direkt an der Hausfundamentmauer, unter einer genutzten Terrassenfläche, oder in einem Bereich, den Kinder regelmäßig betreten – dann ist Handeln sinnvoll. Aber richtig.

Der erste Schritt ist die Kontaktaufnahme mit der unteren Naturschutzbehörde der zuständigen Gemeinde oder dem regionalen Naturschutzbund (NABU). Diese Stellen können beraten, ob eine behördliche Genehmigung zur Umsiedlung möglich ist, und vermitteln in manchen Fällen sogar spezialisierte Helfer, die das Nest fachgerecht an einen geeigneten Standort verlagern.

Das Nest in Ruhe lassen – wann das der beste Weg ist

Viele Waldameisennester in Gärten existieren jahrelang, ohne jemals wirklich zum Problem zu werden. Sie wachsen zwar, aber langsam. Die Tiere sind territorial und halten andere Ameisen sowie viele Schädlinge aus ihrem Bereich fern. Wer die Gartenecke, in der das Nest sitzt, einfach zur Wildzone erklärt und dort nicht mehr aktiv gärtnert, kann sehr gut mit dem Nest koexistieren.

Das ist nicht Aufgabe, sondern Pragmatismus. Ein Waldameisennest ist ein langlebiges, stabiles Ökosystem – und in manchen Gärten schlicht das Interessanteste, was sich dort abspielt.

Was keinesfalls funktioniert

Kochendes Wasser, Insektizide, das Abgraben des Hügels – all das ist bei Waldameisen nicht nur unwirksam, sondern illegal. Waldameisennester können Millionen von Individuen beherbergen und reichen tief in den Boden. Oberflächliche Maßnahmen richten kaum Schaden an der Kolonie an, sind aber Straftaten.

Auch das spontane Umsiedeln in eine nahe gelegene Waldecke ohne Genehmigung ist keine legale Lösung – selbst wenn die Absicht gut ist.

Eine Begegnung, die man selten vergisst

Wer ein aktives Waldameisennest aus der Nähe beobachtet – die konstante, hochorganisierte Aktivität, die Laufwege die sich über zwanzig Meter durch den Garten ziehen, die Intensität mit der die Tiere arbeiten – versteht schnell, warum diese Kolonien unter Schutz stehen. Das sind keine Schädlinge. Das sind, in jeder Bedeutung des Wortes, bemerkenswerte Lebewesen.

Wer mehr über den richtigen Umgang mit Ameisen im Garten erfahren möchte, die keine Waldameisen sind, findet im Artikel über große schwarze Ameisen im Garten eine hilfreiche Artbestimmungshilfe – denn nicht jede große Ameise ist gleich eine geschützte Waldameise.