Pflastersteine sind bei Ameisen äußerst beliebt. Das hat einen einfachen Grund: Unter den Steinen ist es warm, trocken, dunkel und weitgehend ungestört. Der Sand oder Splitt, der als Verlegebett dient, lässt sich leicht graben. Und die Fugen zwischen den Steinen bieten ideale Eingänge ins Nest.
Wer das Problem kennt, weiß auch: Es entwickelt sich langsam, aber stetig. Irgendwann wackeln einzelne Steine, Fugen werden breiter, die Oberfläche wird uneben. Das ist der Punkt, an dem viele Gartenbesitzer zum ersten Mal ernsthaft eingreifen wollen.
Warum Pflasterflächen besonders anfällig sind
Der klassische Aufbau einer Pflasterfläche – Tragschicht, Bettungssand, Pflastersteine, Fugenmaterial – ist aus Ameisensicht wie geschaffen. Der Bettungssand ist das entscheidende Element: Er lässt sich ideal bearbeiten, hält Wärme und bleibt unter den Steinen trocken. Ameisen graben sich tief ins Sandbett und können über Jahre hinweg ein weitverzweigtes Gangsystem aufbauen, ohne dass man es an der Oberfläche bemerkt.
Bis die ersten Steine sich setzen.
Das Risiko steigt mit der Zeit und der Koloniegröße. Eine junge Kolonie verursacht kaum sichtbare Schäden. Eine etablierte, mehrjährige Kolonie kann den Unterbau auf mehreren Quadratmetern verändern.
Was hilft – ohne die Fläche aufzureißen
Fugen dauerhaft verschließen
Das ist die strukturell wirksamste Maßnahme und gleichzeitig die, die am häufigsten zu lange aufgeschoben wird. Offene oder sandig-lose Fugen sind die Eingänge der Kolonie. Werden sie mit Fugenmörtel, Pflasterkleber oder speziellem Unkraut- und Fugenfix dauerhaft verschlossen, verliert die Kolonie ihren bevorzugten Zugang und findet den Standort langfristig unattraktiver.
Wichtig: Vor dem Verfugen die aktiven Bereiche identifizieren und bei trockenem Wetter arbeiten. Feuchter Fugenmörtel direkt auf aktiv genutzten Nestausgängen funktioniert schlechter.
Regelmäßiges Fluten
Wer keine bauliche Maßnahme vornehmen möchte oder kann, kann die Kolonie durch konsequentes Wässern stören. Den Bereich über mehrere Wochen täglich mit reichlich Wasser übergießen, bis es ins Sandbett eindringt. Ameisen meiden dauerhaft feuchten Untergrund, da sie Brut und Königin in trockenen Kammern halten müssen. Bei anhaltender Bewässerung suchen viele Kolonien nach einigen Wochen einen neuen Standort.
Das klappt nicht bei jedem Nest und in jedem Aufbau. Wo Pflastersteine auf einer dicken, gut isolierenden Tragschicht liegen, dringt das Wasser möglicherweise nicht tief genug vor.
Ameisenköder gezielt einsetzen
An den aktiven Nestausgängen platzierte Ameisenköder sind die einzige Methode, die eine Kolonie dauerhaft beseitigen kann, ohne die Fläche mechanisch zu öffnen. Die Arbeiterinnen tragen das Köderprodukt ins Nest, wo es langsam wirkt. Nach einer bis drei Wochen nimmt die Aktivität messbar ab.
Köder sollten nicht im Regen liegen und nicht direkt neben stark benutzten Wegen platziert werden, wo sie von anderen Tieren gefunden werden könnten. An Pflasterflächen ist die gezielte Platzierung direkt neben dem Nestausgang in aller Regel einfach möglich.
Kieselgur an Zugangspunkten
Kieselgurpulver, in Fugen und an bekannten Nestausgängen eingebracht, wirkt als mechanisches Kontaktmittel und tötet Ameisen beim Durchqueren. Es ist für Mensch und Tier unbedenklich, verliert aber bei Nässe seine Wirkung. Auf Pflasterflächen, die nicht zu stark beregnet werden, kann es als ergänzende Maßnahme sinnvoll sein.
Was man lieber lässt
Kochendes Wasser zwischen Pflastersteine gießen: Es erreicht die Königin nicht, und die thermische Belastung kann das Fugenmaterial beschädigen oder bei empfindlichem Pflaster zu Spannungsrissen führen. Das Risiko steht in keinem guten Verhältnis zum Nutzen.
Das Sandbett großflächig aufgraben und neu verlegen ist die gründlichste Lösung – aber eben auch die aufwendigste. Wenn die Fläche ohnehin saniert werden muss, ist das ein guter Zeitpunkt, gleichzeitig auf Feinkies als Bettungsmaterial umzusteigen. Kies der Körnung 2–5 mm ist für Ameisen deutlich schwerer zu bearbeiten als reiner Sand, wie bereits im Artikel zu Ameisen unter der Terrasse beschrieben.
Das Ziel im Blick behalten
Pflasterflächen komplett ameisenlos zu halten ist kaum realistisch. Das Ziel ist ein anderes: verhindern, dass eine Kolonie so groß und ungestört wird, dass sie strukturelle Schäden verursacht. Wer Fugen pflegt, gelegentlich wässert und bei erster sichtbarer Nestaktivität reagiert, hält das Problem in aller Regel in kontrollierbaren Grenzen.
