Man sieht sie und stutzt kurz: Diese Ameise ist deutlich größer als die kleinen Exemplare, die sonst über den Gartenweg laufen. Schwarz, kräftig gebaut, manchmal fast ein Zentimeter lang oder mehr. Welche Art ist das eigentlich?
Die Frage ist berechtigt – denn hinter „große schwarze Ameise“ verbergen sich in deutschen Gärten mehrere verschiedene Arten, die sich in Lebensweise, Neststandort und potenzieller Relevanz für den Gärtner deutlich unterscheiden.
Die Rosskastanien-Holzameise oder Glänzend Schwarze Holzameise
Die häufigste Kandidatin für die Bezeichnung „große schwarze Ameise“ ist Lasius fuliginosus, die Glänzendschwarze Holzameise. Sie ist mit fünf bis sieben Millimetern deutlich größer als die gewöhnliche Schwarze Wegameise und hat einen charakteristisch starken Glanz auf dem Hinterleib.
Was diese Art besonders macht: Sie baut ihr Nest nicht im Boden, sondern in morschem oder vermorschenden Holz – alte Baumstümpfe, abgestorbene Holzbalken, manchmal in hohlen Bäumen. Im Inneren des Nestes baut sie eine schwammige, kartonähnliche Nestsubstanz aus zerkautem Holz und einem Pilzgeflecht, das die Gänge stabilisiert. Das Nest riecht charakteristisch – nach einer Art scharfem, leicht aromatischem Holzgeruch.
Für den Garten bedeutet das: Wer ein Nest in einem alten Baumstumpf entdeckt, hat es wahrscheinlich mit dieser Art zu tun. Sie ist kein Schädling, richtet keinen direkten Schaden an und beschleunigt lediglich den natürlichen Abbau von totem Holz.
Große Arbeiterinnen der Schwarzen Wegameise
Viele Menschen sind überrascht, aber: Die Schwarze Wegameise (Lasius niger), die häufigste Gartenameise überhaupt, produziert innerhalb einer Kolonie Arbeiterinnen in sehr unterschiedlichen Größen. Zwischen einer kleinen und einer großen Arbeiterin derselben Kolonie kann der Größenunterschied erheblich sein – die größten Exemplare erreichen gut vier bis fünf Millimeter.
Wer also eine „große schwarze Ameise“ sieht und davon ausgeht, es handle sich um eine andere Art, liegt manchmal falsch. Besonders wenn die Tiere auf denselben Wegen laufen wie die kleinen Exemplare und zum selben Nest führen, sind es schlicht unterschiedlich große Individuen derselben Kolonie.
Die Roße Wegameise und andere Lasius-Arten
In einigen Regionen sind weitere Lasius-Arten anzutreffen, darunter Lasius brunneus, die Braune Holzameise, die in Holzstrukturen lebt und optisch dunkel bis fast schwarz wirken kann. Auch Lasius umbratus, eine parasitische Ameisenart, ist in manchen Gärten vertreten – allerdings seltener sichtbar, da sie ihre Nester tief im Boden anlegt.
Zimmermannsameis – wenn Holz befallen wird
Eine Ameise, die im Zusammenhang mit großen schwarzen Ameisen im Garten manchmal fälschlicherweise erwähnt wird, ist die Zimmermannsameise (Camponotus sp.). In Deutschland sind verschiedene Camponotus-Arten heimisch, darunter die Rossameise (Camponotus herculeanus) – mit bis zu 15 Millimetern Körperlänge bei Königinnen eine der größten heimischen Ameisenarten.
Zimmermannsameisenarten bauen bevorzugt in morschem Holz und können – wenn sie in Holzkonstruktionen von Gebäuden eindringen – echten Schaden anrichten. Im Garten selbst, in natürlichem Totholz, sind sie dagegen harmlos und ökologisch wertvoll.
Wie man die Art bestimmt
Ohne Lupe und Bestimmungsschlüssel ist eine genaue Artbestimmung schwierig. Einige Orientierungspunkte, die im Garten helfen:
Nest in Erde, kleine bis mittelgroße Hügel: sehr wahrscheinlich Lasius niger oder verwandte Art. Nest in morschem Holz, glänzend schwarze Tiere mit starkem Geruch: wahrscheinlich Lasius fuliginosus. Sehr große Tiere, über einem Zentimeter, Nest in altem Holz oder Baumstumpf: möglicherweise Camponotus-Art.
Wer sicher gehen will, kann Fotos machen und bei der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie oder im Forum von Ameisenwiki.de nachfragen – einer aktiven Community, die bei der Bestimmung hilft.
Was das für den Umgang bedeutet
In den meisten Fällen: wenig bis nichts. Große schwarze Ameisen im Garten sind fast immer harmlos, sofern sie nicht in bewohntes Holz eindringen. Wer das Nest von Lasius fuliginosus in einem Baumstumpf beobachtet, kann es in Ruhe lassen – die Tiere arbeiten am natürlichen Kreislauf mit und richten keinen Schaden an lebenden Pflanzen an. Wer dagegen Waldameisen vermutet, sollte den Artikel über Waldameisen im Garten lesen, bevor er handelt.
