Man sieht einen kleinen Eingang im Boden, ein paar Ameisen, etwas aufgeworfene Erde. Was man nicht sieht, ist, was darunter steckt. Ein Ameisennest im Garten kann erheblich größer sein als die Oberfläche vermuten lässt – und das, was man sieht, ist oft nur ein Bruchteil des tatsächlichen Nestes.
Was ein Ameisennest eigentlich ist
Ein Ameisennest ist kein Haufen – es ist ein dreidimensionales Gangsystem aus Kammern und Verbindungsgängen, das tief in den Boden reicht. Die Kammern haben verschiedene Funktionen: Brutkammern für Eier und Larven, Vorratskammern für Nahrung, und tiefere Winterkammern, in denen die Kolonie die kalten Monate verbringt.
Die meisten Gärtner stellen sich ein Ameisennest kleiner vor als es ist. Ein gut etabliertes Nest der Schwarzen Wegameise (Lasius niger) kann nach drei bis fünf Jahren eine Fläche von mehreren Quadratmetern im Untergrund einnehmen – mit Gängen, die bis 50 bis 150 Zentimeter tief reichen.
Wie schnell wächst ein Nest
Das Wachstum ist am Anfang langsam. Eine neue Königin, die nach dem Schwärmflug ein Nest gründet, legt allein und ohne Arbeiterinnen die ersten Eier. Die ersten Arbeiterinnen schlüpfen nach wenigen Wochen, aber die Kolonie ist im ersten Jahr winzig – oft nur einige Hundert Individuen.
Nach zwei bis drei Jahren beginnt die Kolonie merklich zu wachsen. Ab dem vierten oder fünften Jahr kann eine gut etablierte Kolonie der Schwarzen Wegameise Zehntausende von Individuen zählen. Ältere, besonders große Kolonien – die schon zehn Jahre oder länger am selben Standort sind – können über 100.000 Arbeiterinnen erreichen.
Das Nest wächst mit der Kolonie: mehr Tiere bedeuten mehr Kammern, mehr Gänge, mehr unterirdische Ausbreitung.
Wann wird die Größe zum Problem
Im Boden eines offenen Gartenbereichs, fernab von Terrasse, Fundament und Pflanzenwurzeln: fast nie. Eine große Kolonie im Boden lockert ihn, verbessert die Durchlüftung, und bleibt für den Gartenbetrieb unauffällig.
Problematisch wird die Nestgröße in drei Situationen:
Unter Pflasterflächen und Terrassen: Ein größeres Nest verändert den Unterbau erheblich. Bettungssand wird umgelagert, die Fläche setzt sich ungleichmäßig. Das passiert nicht über Nacht, aber nach Jahren mit einem großen Nest ist der Schaden oft sichtbar.
An Fundamenten und Gebäudewänden: Wenn ein großes Nest direkt an das Fundament angrenzt und sich dort ausbreitet, können in seltenen Fällen Probleme entstehen – besonders wenn Risse vorhanden sind, die als Gangsystem genutzt werden.
Im Gemüsebeet oder Hochbeet: Eine sehr große Kolonie kann den Boden um Jungpflanzenwurzeln so stark verändern, dass der Bodenkontakt verloren geht.
Ein Nest, das man nicht sieht
Das Tückische an großen Nestern ist, dass sie lange unsichtbar bleiben. Ein Nest unter Terrassenplatten, das seit fünf Jahren ungestört gewachsen ist, wird erst sichtbar, wenn die Platten sich zu setzen beginnen. Dann ist die Kolonie längst riesig.
Das ist der Grund, warum frühe, gezielte Maßnahmen so viel effizienter sind als spätes Reagieren. Ein frisches Nest – erkennbar an wenigen Tieren, einem einzelnen Eingang, geringer Aktivität – lässt sich mit vergleichsweise wenig Aufwand aus einem problematischen Standort entfernen oder umlenken. Ein Nest, das fünf Jahre ungestört gewachsen ist, ist eine andere Aufgabe.
Die Größe eines Nestes sagt auch etwas darüber aus, ob Köder, Umsiedlung oder strukturelle Maßnahmen sinnvoller sind – das wird im Artikel über Ameisenköder im Garten genauer eingeordnet.
