Obstbäume und Ameisen – das ist eine Kombination, die viele Gärtner kennen und die jedes Frühjahr aufs Neue für Frust sorgt. Kaum sind die ersten Triebe ausgetrieben, sind auch die Ameisen wieder da: in langen Reihen den Stamm hinauf, hinein ins Blattwerk. Und kurz danach folgen die Blattläuse – oder waren sie sogar schon vorher da.
Das Verhältnis zwischen diesen drei Akteuren – Obstbaum, Ameise, Blattlaus – ist kein Zufall. Es ist ein engmaschig verzahntes System, das man verstehen muss, bevor man sinnvoll eingreift.
Was am Obstbaum wirklich passiert
Ameisen klettern nicht aus Neugier an Obstbäumen hoch. Sie folgen Blattläusen – oder genauer: dem Honigtau, den Blattläuse ausscheiden. In manchen Fällen transportieren Ameisenkolonien der Art Lasius niger Blattlauseier sogar über den Winter in ihr Nest und bringen die geschlüpften Blattläuse im Frühjahr aktiv an geeignete Pflanzenstellen. Was aus menschlicher Sicht wie ein normaler Blattlausbefall wirkt, ist in Wirklichkeit ein aktiv bewirtschaftetes System.
Die Konsequenz für den Gärtner: Wer nur gegen Blattläuse vorgeht, aber Ameisen weiter ungehindert aufsteigen lässt, behandelt ein Symptom ohne die Ursache. Neuer Befall entsteht schneller als man hofft.
Den Ameisenaufstieg unterbinden – die wirkungsvollste Maßnahme
Der wirksamste Schritt ist physischer Natur: Den Weg nach oben blockieren.
Leimring
Ein Leimring am Stamm ist die klassische und bewährteste Methode. Er wird in etwa 50 bis 80 Zentimetern Höhe um den Stamm gelegt und bildet eine klebrige Barriere, die Ameisen nicht überwinden können. Der Leimring selbst kommt nicht direkt auf die Rinde – er wird auf ein vorher angebrachtes Unterlagsband oder Wundverschlussmittel platziert, damit keine Rindenschäden entstehen.
Worauf man achten muss: Zweige, die den Boden berühren, oder Äste die an Zäunen, Stützen oder anderen Bäumen anliegen, umgehen den Leimring komplett. Vor dem Anbringen die gesamte Baumumgebung auf solche Alternativwege prüfen.
Der Leimring muss regelmäßig kontrolliert werden. Er setzt sich mit Insekten, Staub und Pflanzenmaterial zu und verliert dabei seine Klebekraft. Manche Produkte können nachgeschmiert oder ausgetauscht werden – die Herstellerangaben beachten. Mehr Details zur Anbringung gibt es im Artikel über den Leimring am Baum.
Klebrige Barrieren als Alternative
Wer keinen Leimring verwenden möchte, kann auch ein breites, mit Vaseline oder einem speziellen Klebstoff bestrichenes Klebeband verwenden. Weniger haltbar als ein echter Leimring, aber kurzfristig wirksam und leicht zu erneuern.
Blattläuse direkt behandeln
Sobald der Aufstieg unterbrochen ist, kann man die Blattläuse an den betroffenen Trieben angehen – ohne dass Ameisen sofort Ersatz heranschaffen.
Ein kräftiger Wasserstrahl von unten gegen die befallenen Triebe ist die einfachste Methode. Blattläuse können sich nach dem Abspülen kaum wieder festsetzen, wenn das regelmäßig gemacht wird.
Schmierseifenlösung – ein Teelöffel Kernseife auf einen Liter Wasser – direkt auf die befallenen Stellen gesprüht, wirkt gut gegen weiche Sauginsekten wie Blattläuse, ohne Nützlinge langfristig zu schädigen. Morgens oder abends anwenden, nicht in der prallen Sonne.
Neem-Öl als Bestandteil von Pflanzenschutzmitteln stört den Hormonhaushalt der Blattläuse und hemmt die Fortpflanzung. Es wirkt langsamer, aber ausdauernder als mechanische Methoden.
Wann man mit dem Eingriff beginnt
Früh im Jahr – sobald man die ersten Ameisen am Stamm beobachtet. Der Leimring sollte bereits im Februar oder März angebracht werden, bevor die Blattlaussaison beginnt. Wer wartet, bis der Befall sichtbar wird, hat schon mehrere Wochen verloren.
Ein Obstbaum, der im Vorjahr stark befallen war, bekommt den Leimring im nächsten Jahr als erste Gartenmaßnahme des Frühjahrs – nicht als letzte Reaktion auf bereits eingetretenen Schaden.
