Rote Ameisen im Garten lösen bei vielen Menschen eine stärkere Reaktion aus als ihre schwarzen Verwandten. Das liegt teilweise am Aussehen – rötlich-braune Ameisen wirken irgendwie aggressiver – und teilweise an der Assoziation mit der Roten Feuerameise, die in den Medien regelmäßig als invasive Bedrohung auftaucht.
Aber der Reihe nach: Was hat man in einem deutschen Garten tatsächlich vor sich, wenn man rote oder rötlich-braune Ameisen entdeckt?
Welche roten Ameisen in Deutschland vorkommen
Die häufigste rotgefärbte Ameisenart in heimischen Gärten ist die Rote Gartenameise (Myrmica rubra) – auch bekannt als Europäische Feuerameise. Sie ist deutlich kleiner als die exotische Rote Feuerameise (Solenopsis invicta) aus Amerika und in Deutschland weit verbreitet und heimisch.
Myrmica rubra ist rötlich bis rotbraun, etwa vier bis fünf Millimeter groß und baut ihre Nester bevorzugt in feuchten, schattigen Bodenbereichen – unter Steinen, in Mulch, unter Holzstücken oder in lockerer Erde am Rand von Beeten. Die Kolonie ist vergleichsweise klein, oft nur wenige tausend Individuen.
Ebenfalls rötlich gefärbt und im Garten anzutreffen sind verschiedene Arten der Wiesenameise (Myrmica-Arten) sowie die Knotenameise (Myrmica scabrinodis). Optisch sind diese ohne Lupe kaum zu unterscheiden.
Und dann gibt es noch Rote Waldameisen – aber die bilden große Hügelnester und sind unter Naturschutz gestellt, wie im Artikel über Waldameisen im Garten ausführlich beschrieben.
Sind rote Ameisen gefährlicher als schwarze?
Ein bisschen – aber nicht dramatisch. Myrmica rubra kann stechen, nicht nur beißen. Das unterscheidet sie von der Schwarzen Wegameise, die zwar beißt, aber keinen Stachel hat. Der Stich der Roten Gartenameise ist spürbar, vergleichbar mit dem Stich einer kleinen Brennnessel – unangenehm, aber für gesunde Erwachsene harmlos. Bei empfindlichen Personen oder Allergikern kann es in seltenen Fällen zu stärkeren Reaktionen kommen, ähnlich wie bei Bienen- oder Wespenstichen.
Kinder, die barfuß durch Bereiche laufen, in denen Myrmica rubra aktiv ist, sollten im Auge behalten werden – nicht weil die Tiere aggressiv suchen, sondern weil sie bei versehentlicher Störung des Nestes durchaus schwärmen und stechen.
Was tun, wenn rote Ameisen im Garten stören
Die Methoden unterscheiden sich nicht grundlegend von denen gegen andere Ameisenarten. Was bei Myrmica rubra wichtig zu wissen ist: Die Nester sitzen oft unter flachen Gegenständen – unter Gartensteinen, Blumentöpfen, Holzbrettern. Wer solche Gegenstände im Garten regelmäßig verrückt und den Bereich wässert, stört die Kolonie effektiv und veranlasst sie oft, sich an einen ruhigeren Ort zurückzuziehen.
Reguläre Ameisenköder wirken auch bei Myrmica-Arten zuverlässig, sofern die Tiere das Köderprodukt annehmen. Das ist nicht bei allen Formulierungen der Fall – einige Köder sind auf die Schwarze Wegameise ausgelegt und werden von Myrmica-Arten gemieden. Im Zweifel beim Hersteller nachfragen oder ein Produkt wählen, das explizit mehrere Arten abdeckt.
Hausmittel wie Zimt, Kaffeesatz oder Essig wirken ähnlich wie bei anderen Arten: kurzfristig störend, aber keine Dauerlösung.
Die Rote Feuerameise – was man wissen sollte
Solenopsis invicta, die berüchtigte Rote Feuerameise aus Nordamerika, ist in Deutschland bislang nicht heimisch. Es gibt vereinzelte Meldungen aus wärmeren Teilen Europas, und die Art breitet sich im Mittelmeerraum aus – aber in deutschen Gärten wird man ihr in aller Regel nicht begegnen.
Wer jedoch sehr große Kolonien mit auffallend aggressiven, stechfreudigen Tieren entdeckt, und die Nester wirken wie aufgeschüttete Erdhügel ohne klaren Eingang, sollte das zuständige Amt für Naturschutz oder den NABU informieren. Das ist zwar eine seltene Situation, aber keine vollständig auszuschließende.
Für die weitaus häufigere Situation – rötliche Ameisen im Beet oder unter einem Stein – ist das Vorgehen dasselbe wie bei anderen heimischen Arten: einschätzen, ob es ein echtes Problem gibt, und dann gezielt und verhältnismäßig handeln.
